Das Ende vorm Anfang

Im vergangenen Januar trafen wir die Entscheidung, als Familie eine lange Reise quer durch Europa zu unternehmen. Nach knapp zwölf Monaten der Vorbereitung soll nun endlich unser Abenteuer am zweiten Weihnachtsfeiertag starten! Das erste Adventskalendertürchen wurde geöffnet, das Jahr neigt sich wie ein Tannenzweig unter der Last des Schnees dem Ende entgegen und somit rückt unsere Reise im Bulli in atemberaubende Nähe.

Das Jahr 2019 haben wir daher in weiser Voraussicht dazu genutzt, von unserem Habtum auszumisten, zu entsorgen und zu verkaufen was das Zeug hielt, wir haben Sperrmüll- und Trödelmarkttermine wahrgenommen, haben organisierende und plandende Excel-Listen erstellt, gefüllt, gepflegt und teilweise wieder gelöscht, haben uns mit regionalen Besonderheiten an Zielorten auseinandergesetzt, adäquate Unterkünfte ausgemacht und Aufenthalte geplant, haben Feste, Fußballspiele, Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten vermerkt, Fremdenverkehrsseiten im Internet sowie Blogs akribisch durchpflügt, wir haben Reisepässe und Kreditkarten verlängert und uns sicherheitshalber einen internationalen Führerschein besorgt, haben unnütze Versicherungen gekündigt und wichtige wie die Auslandsreisekrankenversicherung mit Zusatzleistungen aufgestockt, wir haben unsere Mobilfunkverträge optimiert, alle Lebensbereiche kontinuierlich auf "unterwegs" eingetaktet und mein Mann hat sein Unternehmen einschließlich Post, Buchhaltung sowie Personal auf die Online-Abwicklung umgestellt, wir haben Nägel mit Köpfen gemacht und unsere Wohnung gekündigt, sind Mitte November ausgezogen, haben unsere Möbel bei der Familie untergestellt und bei den Schwiegereltern vorübergehendes Quartier gefunden, wir haben einen VW California Beach erworben, haben erprobt, wie es ist, zu viert in ihm zu übernachten, haben einen Aufbau für zusätzliches Gepäck angebracht und dafür eine notwendige Warntafel besorgt, wir haben unseren Bus bereits mit Lichterkette, Wimpelgirlande und einer Galionsfigur, unserer Schutzpatronin namens Edda in Form eines Hubrig-Engels verziert, wir haben schlussendlich passendes Reiseequipment besorgt und Packlisten geschrieben, wir haben die Reiseapotheke neu bestückt, sogar einen Crashkurs in Erste Hilfe bei Kleinkindern bei einem befreundeten Rettungssanitäter erhalten, wir haben uns beim Zahnarzt, Augenarzt und Hautarzt durchchecken lassen, die letzte ärztliche Kinderuntersuchung abgehakt und im November den letzten Kindergeburtstag gefeiert... So lagen in den vergangenen Monaten des Öfteren die Nerven blank, uns sind mit Sicherheit ein paar graue Haare gewachsen, wir haben uns Hin und Wieder gezankt, haben geschimpft und nicht selten an unserem Vorhaben gezweifelt - und dennoch war jeder Schritt wie eine kleine Befreiung, ein Vorstoß in die richtige Richtung und uns sind seitdem ideelle Flügel gewachsen.

Die Aufregung steigt nun jeden Tag kontinuierlich, nachdem wir sie in den Umzugswirren auf die Zukunft verschoben hatten. Noch sind wir in Warteschleife, harren wie die Häslein in der Grube, ob sich noch ein Hindernis vor uns auftut, welches es zu bezwingen gilt, haushalten dementsprechend mit unseren Kräften und unserer Vorfreude, doch der Beginn unserer Reise ist jetzt untrüglich greifbar: bald geht's los! Noch wenige Tage bis zur Abfahrt.