Das Tacugama Chimpanzee Sanctuary in Sierra Leone


Ein bedeutungsvoller Tag war es, an dem zwei gutherzige Menschen, Bala Amarasekaran und seine Frau Sharmila, durch ein Dorf etwa 240 km nördlich von Freetown, der Hauptstadt Sierra Leones, reisten und dort einen zum Verkauf angebotenen, schwachen und kranken Babyschimpansen erblickten. Sie hatten das dringende Bedürfnis, dem Tier zu helfen und zahlten die geforderten 20 Dollar, um ihn zu erwerben. Sie vermuteten, dass das Tier wahrscheinlich bald sterben würde, wenn er noch länger ohne Pflege bleiben würde. Wie die meisten Menschen wussten Bala und Sharmila jedoch sehr wenig über Schimpansen und wie man sich grundsätzlich um ein Tierkind kümmert. Fest stand bloß: Sie wollten ihr Bestes geben, um den kleinen Schimpansen zu retten. Dank hingebungsvoller Betreuung und Aufmerksamkeit stabilisierte sich der Zustand des Affen bald und er bekam eine zweite Chance. Interessanterweise fand an dem Tag, an dem sie den Babyschimpansen aufnahmen, ein Boxkampf zwischen Mike Tyson und Frank Bruno statt, weswegen der kleine Kerl im Übrigen den Namen Bruno erhielt.

Ohne dies zu wissen und zu erwarten, veränderte sich das Leben der Familie nach diesem Tag drastisch. Ein Jahr lang lebte Bruno in Bala und Sharmilas Haus. Er konnte es frei und ungehindert durchstreifen und überall spielen. Als er größer wurde, musste Bala ihm allerdings einen Käfig im Garten bauen, da der fast erwachsene Affe über starke Kräfte verfügte und zum Teil großen Schaden anrichtete. Bala und Sharmila, die ständig mehr über Schimpansen lernten, erkannten bald, dass es in der Umgebung von Freetown noch viel mehr Schimpansen gab, die unter schrecklichen Bedingungen lebten und denen dringend geholfen werden musste. Die Aufnahme von Bruno eröffnete somit ein neues Kapitel für die Affen des Landes und dem Erhalt der Tierwelt Sierra Leones, denn 1995 wurde das Tacugama Chimpanzee Sanctuary eröffnet.

Schimpanse im Tacugama Chimpanzee Sanctuary

  Quelle: Tacugama Chimpanzee Sanctuary

Es wurde ursprünglich gegründet, um Wildtiergesetze durchzusetzen und verwaiste Schimpansen zu retten und zu rehabilitieren. Seitdem hat sich Tacugama zu einer facettenreichen Naturschutzorganisation entwickelt, in der ein ganzes Team von lokalen und internationalen Fachleuten jeden Tag daran arbeitet, Gutes zu bewirken. Tacugama ist auch aktiv an anderen naturbezogenen Aktivitäten und Themen beteiligt, wie beispielsweise der Öffentlichkeitsarbeit, der Wildtierfeldforschung, der Umweltverträglichkeit, der Umweltbildung und alternativen Lebensunterhaltungsprogrammen. Das Tacugama Sanctuary fördert darüber hinaus den Ökotourismus in Sierra Leone - es bietet eine Vielzahl von Veranstaltungen, die sowohl für Touristen als auch für Einheimische geeignet sind. Das Sanctuary-Team arbeitet hart daran, Schulprojekte und Vorträge zu organisieren, um über die Bedeutung von Natur und Tierwelt aufzuklären und die Schimpansenpopulation vor Ort zu erhalten. Heutzutage verfügt es bereits über ein erfolgreiches Programm in mehr als 20 lokalen Schulen in verschiedenen Gebieten Sierra Leones.

Das Schutzgebiet befindet sich im Western Area Peninsula Forest Reserve, einem nicht-bejagtem Waldreservat in Sierra Leone, und verfolgt das Ziel, ökologisches Wissen und Bewusstsein zu verbreiten, um den geretteten Schimpansen einen sicheren, natürlichen Zufluchtsort bieten zu können, damit sie eines Tages wieder in der Wildnis leben können.

Das Video wurde zur Verfügung gestellt vom Sierra Leone Tourist Board.

Der Regenwald ist die Heimat vieler Tiere - Affen, Vögel und Antilopen beispielsweise, von denen viele gefährdet sind, haben hier ihre Heimat. Das Leben vieler Schimpansen in Sierra Leone ist nicht einfach. Sie sind verschiedenen Schwierigkeiten ausgesetzt, zum Beispiel wurden einige von ihren Besitzern misshandelt, verletzt, verlassen oder illegal als Haustiere verkauft. Oft sind die Schimpansen noch Jungtiere wenn ihnen das widerfährt, da sie in diesem Alter auf dem Markt mehr wert sind. Alle Schimpansen, die nach Tacugama kommen, haben durch die gewaltsame Trennung von ihren Familien ein seelisches Trauma erlebt und die meisten haben auch körperliche Verletzungen davon getragen.

Sobald ein Schimpanse in Tacugama angekommen ist, durchläuft er mehrere Rehabilitationsstufen, welche von einem Team von Mitarbeitern überwacht werden. Schimpansen werden eigentlich in Familiengruppen geboren, deren Größe von etwa 15 bis zu über 100 Mitgliedern variieren kann. Da die Schimpansen in Tacugama nicht miteinander verwandt sind, dauert es oft ein wenig, bis Neuankömmlinge enge Beziehungen zu ihren Leidensgenossen aufbauen und Mitglieder in einer der bestehenden Gruppen werden können. Generell gilt jedoch: Je jünger der Schimpanse, desto einfacher ist es für ihn, sich zu integrieren. Jeder Schimpanse wird je nach Größe und Alter einer Gruppe vorgestellt. Schimpansen verteidigen  ihr Territorium und gehen auf neue Mitglieder nicht direkt zu, weshalb die neu hinzukommenden Schimpansen genau überwacht werden müssen, um sicherzustellen, dass sie nicht von ihren Artgenossen tyrannisiert und verletzt werden.

Sierra Leone ist ein wunderschönes Land an der Südwestküste Westafrikas. Es hat ein tropisches Klima und eine abwechslungsreiche Umgebung, die sich aus Regenwäldern, Stränden und Savannen zusammensetzt. Einst eine britische Kolonie, hat das Land nun eine reiche Geschichte vorzuweisen, auf die es zurückblicken kann. Dies ist außerdem der Grund, wieso noch heute die Amtssprache in Sierra Leone Englisch ist. Die indigene Bevölkerung besteht aus sechzehn verschiedenen ethnischen Gruppen, von denen jede eigene Bräuche, Sprachen und Traditionen besitzt. Obwohl die Mehrheit muslimische Glaubensrichtungen vertritt, gilt Sierra Leone als eines der tolerantesten Länder weltweit. Muslime und Christen leben hier miteinander in Frieden und Respekt.

Auch für Touristen öffnet sich das Land zunehmend. Erst kürzlich gab es eine neue Visaregelung, welche es Reisenden ermöglicht, das Visum bequem als "Visa on Arrival" bei der Ankunft zu beantragen, was die notwendige Vorlaufszeit dementsprechend verkürzt. Überdies wurden Übernachtungskosten drastisch gesenkt und auch Flugtickets werden inzwischen günstiger vertrieben, indem die Flughafengebühren reduziert wurden.

Das Land bietet seinen Bewohnern dank des dort als Rohstoff vorkommenden Goldes, den Diamanten und des Titans zudem eine vergleichsweise gute Lebensgrundlage. Die traditionelle Küche basiert auf frischen lokalen Zutaten wie Maniok- und Kartoffelblättern, Fisch, Reis mit verschiedenen Beilagen und Okra. Auf den Straßenmärkten werden zudem Früchte wie Mangos, Orangen und Ananas verkauft und in den Städten sind die landestypischen Poyobars ein Muss für jeden, den es nach Sierra Leone verschlägt. Denn Poyo ist ein Getränk aus Sierra Leone, welches aus fermentiertem Palmwein hergestellt wird.

Spaziergänge durch die Straßen von Freetown, der Kontakt mit der Natur und den Einheimischen, der Besuch des Tacugama-Schutzgebietes, das Kennenlernen des einzigartigen afrikanischen Kunsthandwerks und der Kolonialgeschichte sind nur einige der Gründe, den Koffer zu packen und nach Sierra Leone zu reisen. Ein weiteres Argument wäre beispielsweise der "Sierra Leone Marathon", welcher im Frühjahr 2020 zum neunten Mal stattfinden wird und von der deutschen Hilfsorganisation "Street Child", die sich für den Schutz von Kindern und den Bau von Schulen einsetzt, organisiert wird. Schnüren Sie also die Sportschuhe und laufen Sie 5, 10, 21 oder sogar die vollen 42 km mit und tun Sie damit nicht nur sich, sondern auch den Kindern Sierra Leones im neuen Jahr etwas von bleibendem Wert. Worauf warten Sie noch?

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: KPRN Network GmbH