Málaga - endlich Andalusien!

Nach einer sechsstündigen und - auf Grund vorhangähnlichen Nebels in der Sierra Nevada und starken Verkehrs auf der Autobahn - anstrengenden Nachtfahrt erreichten wir frühmorgens recht geschafft unser nächstes Etappenziel an der Costa del Sol. Wir deckten uns als erstes in der Panadería und Pastelería "Salvador" fürstlich ein und füllten unsere Reserven bei Sonnenschein  und Meeresrauschen am Strand gleich gegenüber unserer neuen Unterkunft kulinarisch und mental wieder auf. Um halb elf konnten wir einchecken und inspizierten erfreut unser Refugium: Eine geräumige Küche mit großem Wäschebalkon, zwei Bäder sowie Schlafzimmer und ein schönes Wohn- und Esszimmer mit Zugang zum zweiten Balkon hießen uns nebst Vermieterin herzlich willkommen. Der Blick aus den Scheiben fiel auf Palmen, Gummibäume, Zypressen, das Meer und den Strand sowie auf etliche grüne Papageien samt zweier Nester in den Baumkronen. Ein Glücksgriff also!

Wir erkundeten tags darauf unser Barrio namens "El Palo". Unmittelbar am Strand gelegen und mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, zahlreichen Bistros und Restaurants, sowie Cafés und Bäckereien, aber auch Apotheken, Ärzten und Sprachschulen bestückt ist es infrastrukturell bestens versorgt. Die Gegend hat eine ausgeprägte Fischereitradition und die sogenannten "Chiringuitos", die kleinen auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisierten Strand- und Tapasbars, grillen ihre Fischspieße und -gerichte direkt am Strand in umfunktionierten Fischerbooten. Spaziergänge zu den Spielplätzen und den Tapasläden waren regelmäßig unser Programm. Wir genossen von dort den Ausblick in die gesamte Bucht, den Duft von Salz, Algen und Fisch, tranken vorzüglichen Sangría mit frischen Früchten und statteten auch dem hochgepriesenen Restaurant "El Tintero" einen Besuch ab, in dem die Kellner das Essen singend und lobend an die Gäste herantragen. Allerdings überzeugte uns dieses nicht wirklich.

Die Innenstadt Málagas besahen wir uns dann an insgesamt drei Tagen ausführlich. Gleich beim ersten Mal waren wir entzückt und konnten es nicht fassen, dass die Stadt uns noch besser als Valencia gefiel. Ich war hingerissen von den hübschen Geschäften, übte mich in Disziplin, erlag allerdings ab und an meinem Beutetrieb. Dann begnügte ich mich aber mit Kleinigkeiten die praktisch  und leicht im Gepäck zu verstauen sind. Wir erkundeten den Stadtkern, aßen im Mercado Central de Atarazanas, liefen zur Alcazaba, einer maurischen Festung aus dem 11. Jahrhundert, und zu der Kathedrale, die den Spitznamen "La Manquita", also die Einarmige, trägt da ihr zweiter Turm mangels Moneten nie fertiggestellt wurde.  Wir besahen uns anderntags die Stierkampfarena "La Malagueta" sowie den Parque de Málaga, eine Parkanlage auf 30.000 qm direkt in der Innnstadt - selbstverständlich mit genialen Spielplätzen - und unsere Kinder fingen auf dem Plaza de la Constitución riesige Seifenblasen eines Straßenkünstlers ein. Ich war mal wieder verliebt in die schönen Plätze mit Brunnen wie zum Beispiel den "Fuente de las tres Gracias", den Marmorbrunnen am Plaza del Obispo und den malerischen Garten samt Springbrunnensystem gleich an der Calle Císter vor der Kathedrale Málagas.

Wir besuchten den Botanisch-Historischen Garten der Stadt namens "La Concepción", der auf Hängen gelegen ist und seinen Gästen von Kakteenwald, Palmenallee, Urwaldszenerie samt Lianen, Flüssen und Wasserfällen,  über Teichen mit Kois und Seerosen, einem Zitrusfruchtareal, dem Hibiskusblütenweg, bis hin zu einem Gartenteil, der anhand von 80 verschiedenen Bäumen einmal vegetativ um die Welt führt, darbietet was das nach Flora lechzende Herz nur begehren kann. Ich hätte dort viele Stunden zubringen und im Überfluss des Grüns schwelgen können oder zumindest gern ein Familienfoto vor blühenden Strilitzien geknipst, aber nach drei Stunden waren wir nur noch damit beschäftigt, unsere Jüngere vor den Stacheln der Kakteen und Stürzen ins kühle Nass zu bewahren und unsere Ältere zu zügeln, nicht jede Blume zu pflücken oder die Goldfische mit bloßen Händen einzufangen. - Leuchtende Momente: nicht weinen, dass sie vorüber, sondern lächeln, dass sie gewesen.

Nach einer Mittagspause im Dach des Bullis besahen wir uns am selben Tag das "Castillo de Gibralfaro", eine Burganlage hoch über der Stadt das ursprünglich durch eine Mauer mit dem Palastbereich mit der Alcazaba in der Innenstadt verbunden war, und hatten von droben eine phänomenale Aussicht in den Hafen und auf die Stadt. "Malaka" wurde im 8. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern gegründet, war lange Zeit unter der Herrschaft Karthagos, geriet dann aber in den römischen Machtbereich, bis später die Mauren im Jahr 711 die Stadt eroberten und sie "Mālaqa" nannten. Nach der Eroberung im Zuge der Reconquista 1487 wurde das Stadtgebiet wieder mit Christen besiedelt. Da kann man getrost von einer religiös und kulturell abwechslungsreichen Vergangenheit sprechen und sieht diese auch allenthalben in den verschiedenen Bauwerken verewigt.

Wir fuhren außerdem ins 90-Minuten-entfernte Granada und besuchten die Alhambra, eine maurische Stadtburg. Zur gesamten Anlage gehören diverse Gärten und Paläste, die Verteidigungsgemäuer, eine Kirche, ein heute als Hotel genutztes Kloster sowie die ursprünglichen Wohnquartiere und Werkstätten der Einwohner. Die Alhambra gehört zum Weltkulturerbe und ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas. Ehrlicherweise fanden wir sie zwar auch sehr ansprechend und interessant, allerdings waren wir nicht sonderlich geflasht. Möglicherweise waren unsere Erwartungen zu hoch und der Vergleich zur ebenso beeindruckenden Burg Carcassonne war noch zu frisch. Im Shoppingcenter "Nevada" mit amerikanischen Dimensionen waren hernach Sommerkappen für unsere Töchter unaufschiebbar. Wir erwarben passende Objekte mit floralen Motiven und Tukanen, mit denen die Beiden einverstanden waren. Da die Sonne unser gefüttertes Schuhwerk schon früher ad absurdum geführt hatte, erwarben wir für die Mädchen Sportschuhe und zogen auch zurück in der Unterkunft unsere eigenen Exemplare aus dem Schrank hervor.

Unsere Visitation Gibraltars musste verschoben werden, da wir die Pässe vergessen hatten, was uns auf halber Strecke einfiel. So fuhren wir spontan ins nahegelegen Fuengirola, einem Urlaubs- und Badeort par exellence. Dort machten wir zuerst eine alles in den Schatten stellende Spielplatzanlage mit riesigem Piratenschiff samt Wellen und Meerestieren unsicher und inspizierten dann den Bioparc Fuengirola, in dessen Schwesternpark wir auch schon in Valencia zu Gast waren. Mitten in der Stadt gelegen war die Anlage eine echte Oase mit Schwerpunkt auf der tropischen Natur in Südostasien und den Inseln des Indischen Ozeanes. Auch dieser Park war mit viel Liebe zum Detail zum Beispiel mit buddhistischen Tempeln und Schreinen als Kulissen errichtet und das Angebot verschiedener Beobachtungsplattformen schuf erneut ein umfassendes Bild über die Tiere und deren natürliches Habitat für den Besucher.

In Málaga hatten wir von Anfang an blauen Himmel, es blieb fortdauernd um die 20 Grad und wir blieben die ganze Zeit über guter Dinge. Direkt vor der Haustür sollten wir beinahe immer einen Platz für den Bulli erhaschen, die Nachbarn waren allesamt freundlich, schäkerten mit den Putten, schenkten uns Orangen vom eigenen Feld und die tollen Spielplätze in unmittelbarer Nähe erfreuten unsere Mädels stets mit Wohlgemut wie uns die kleinen Lokale, die uns zyklisch umgaben. Zwischen den längeren Ausflugstagen und Unternehmungen machten wir immer einen Tag Pause: Wir genossen den schönen Balkon, ließen die Kinder auf selbem in der Badewanne planschen und mit Kreide malen, gönnten den Kindern Zeit, sich in ihre Spiele zu vertiefen, lasen und sangen ihnen vor oder gingen auf einen der nahegelegenen Spielplätze. Marius besuchte wieder einige Fußballspiele, nahm mitunter unsere Töchter mit und an einem Abend besuchten wir sogar alle zusammen das Stadion in Vélez-Málaga. So erwarb auch ich mir damit als letzte im Familienbund meinen Länderpunkt Spanien. Wir ließen die zwei Wochen vor Ort entspannt ausklingen, blinzelten noch öfters verträumt in das grünblaue Traumbild direkt vorm Balkon, schrieben Postkarten und machten dann beim Genuss unserer eigenen Mixtur Sangrías Pläne für unsere Weiterfahrt nach Sevilla.