Intermezzo in Barcelona

Nachdem wir unser Häuschen in Perpignan verlassen hatten, steuerten wir das französische Urlaubsörtchen Collioure an. Nach knapp 40 Minuten erreichten wir bereits die malerische Stadt an der Côte Vermeille in der Mittagszeit. Bei einer kleinen Bäckerei erwarben wir frisches Sauerteigbrot überbacken mit Rahm und Schinkenspeck sowie Vanille-Eclairs, die wir uns auf einer Bank in der Sonne mit Blick auf die herrliche Bucht schmecken ließen. Einem Spielplatz in bester Lage machten wir im Anschluss zur Freude der Mädchen unsere Aufwartung.

Wir spazierten danach am Hafen entlang hinüber in die Altstadt und dort durch die zum Teil noch weihnachtlich geschmückten Sträßchen. Die vielen schmalen Wohngebäude in den verschiedensten Pastelltönen gepaart mit Fensterläden in Blau- und Grünschattierungen waren ein wahres Labsal für unsere Augen. Kleine Läden mit Kunsthandwerk, Kleidung, Ölen und Weinen sowie Cafés und Restaurants lockten Interessenten herbei. Über der Szenerie thronte still und erhaben das massive Château Royal de Collioure und schien unbeeindruckt von der Geschäftigkeit der Menschen im Dorf unten dem Meer für alle Zeiten trotzen zu wollen. Wir flanierten zufrieden über diesen entspannten und erquicklichen Ausflug durch die bunten Gassen zurück und erstanden noch etwas Reiseproviant. Voll von positiven Eindrücken kraxelten wir wieder in unseren Bulli und traten die Weiterfahrt an.

Zwei Stunden später erreichten wir Rubí bei Barcelona guter Dinge. Leider stellte sich unsere Unterkunft innerhalb kurzer Zeit als kompletter Reinfall heraus. Was als moderne, gepflegte und familienfreundliche Wohnung deklariert war, entpuppte sich als schmutzige, heruntergekommene und kaum beheizbare Kellerwohnung, die auf Grund von Geruch, Haaren und Leckerlis auf dem Boden bewies, dass das Domizil wohl des Öfteren für den Hund als Schutzhütte fungierte. Schön für den Vierbeiner aber nicht für unsere auf dem Boden spielenden und alles in den Mund steckenden Kleinkinder. Auf die angesprochenen Verhältnisse hin zeigte sich die Besitzerin einsichtig und wollte am nächsten Tag zumindest eine Reinigungskraft vorbeischicken. Das zugesagte Babybett, der Wickeltisch und der Kinderstuhl fehlten aber trotzdem und es konnte nur ein Zimmer überhaupt nennbar beheizt werden, wodurch es unzumutbar kalt in den anderen Räumen war und weswegen wir alle zusammen in einem Zimmer nächtigten. So entschieden wir nach der ersten Nacht die Kate bereits am Folgetag zu verlassen. Ohne Einwände und mit sofortiger Kostenerstattung willigte die Vermieterin ein. Zumindest das musste man ihr positiv anrechnen. So besahen wir uns an diesem Samstag mal eben Barcelona im Schnelldurchlauf. Da Marius und ich schon beide wiederholt dort gewesen waren und die Stadt mit ihrer Überfüllung, Hektik, dem Uringestank an jeder Ecke und dem vielen Müll eh nicht unser Herz sonderlich erwärmte, stimmte uns das nicht weiter traurig. Ein Spielplatzbesuch war zum Abschluss der angenehmste Part des Ausfluges. Abends war Marius bei Espanyol Barcelona gegen FC Barcelona was im Vergleich mit dem Vorangegangenen unschwer  seinen Etappenhöhepunkt bildete. Die Inhaberin des folgenden Domizils hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits kontaktiert und sichergestellt, dass wir dieses schon zum früheren Zeitpunkt beziehen konnten. So schnürten wir am nächsten Morgen nach nur zwei Tagen anstatt einer ganzen Woche wieder unsere Bündel, machten uns zügig von dannen und waren heilfroh, der verlotterten Herberge zeitnah entronnen zu sein.

Zu unserer allgemeinen Erheiterung nach diesem Fehlschlag hatten wir für die Überfahrt eine besondere Zwischenetappe auserkoren: In der Cervecería Badum in Peñíscola wollten wir ein Bier trinken und die ersten Postkarten von dort aus verschicken. Angekommen in diesem Badeort mit klangvollem Namen gingen wir zuerst in der Bucht spazieren, ließen flache Steine ins Meer hüpfen und kehrten dann in einem Restaurant in Spielplatznähe ein um Muscheln, Tintenfischringe und Brot mit Allioli sowie Wein zu uns zu nehmen und den Kindern einen Vitamin-D-Schub auf Schaukel, Wippe und Rutsche zu gönnen.  Im Anschluss machten wir uns auf die Suche nach noch Wichtigerem. Die Postkarten samt Briefmarken wurden für Auserkorene in der Heimat unter pubertärem Gegrinse rasch beschafft und das Brauhaus dank Google bald ausfindig gemacht. Komplett aus dem Häuschen waren wir beim Trinken des wirklich leckeren Gerstensaftes als wir feststellten, dass das Logo desgleichen auch noch ein VW Bulli im Hippie-Chic war: ein Knüller! Nach diesem erfolgreichen Ausflug lehnten wir uns gutgelaunt in die Lehnen und wussten siegessicher, dass der nächste Reiseabschnitt ein Volltreffer sein wird. Valencia, wir kommen!