Guyana und das Iwokrama International Centre


Versteckt im Nordosten Südamerikas, wo tropischer Regenwald auf endlose Savanne trifft, liegt Guyana – ein geheimnisvolles Land, das mit einer großen Vielfalt an Biodiversität und kulturellem Erbe überrascht. Guyana, eine ehemalige englische Kolonie, ist heute das einzige englischsprachige Land in Südamerika und gilt kulturell als Teil der anglophonen und karibischen Sphäre. Wenn man das "Land der vielen Gewässer" besucht, kann man verstehen, warum sich viele Menschen dem Schutze der satten, unberührten Natur Guyanas verschrieben haben.

Um diese prächtige Flora und Fauna zu erhalten, ist insbesondere eine internationale Non-Profit-Organisation jeden Tag hart am Werk. Das Iwokrama International Centre (IIC) wird von einem professionellen Team von fast siebzig Mitarbeitern in der Hauptstadt Georgetown und im Iwokrama River Lodge and Research Centre in Kurupukari geleitet. Das IIC wurde 1996 gegründet und hat seither die Aufgabe, sich um den Iwokrama-Wald zu kümmern. Die Mitglieder des Vereins arbeiten täglich an ihrem Ziel, ein Gleichgewicht zwischen der Erhaltung der einzigartigen Umgebung des Regenwaldes und der gleichzeitigen Erzielung wirtschaftlicher und sozialer Vorteile für die Menschen in Guyana herzustellen. Um ein solches Ergebnis zu erzielen, konzentriert sich das IIC auf mehrere wichtige Punkte: Nachhaltige Forstwirtschaft, nachhaltiger Tourismus, Forschung, Gemeindeentwicklung, intellektuelles Eigentum und Klimawandel.

Was den Tourismus in Guyana betrifft, so haben die Kollegen ein Ökotourismusprogramm entwickelt, das für jeden Dschungel- und Naturliebhaber geeignet ist – von Vogelbeobachtungsaktivitäten bis hin zu tagelangen Wanderungen auf den Pfaden indigener Stämme in der freien Natur. Die lokale Gemeinschaft versteht, dass der Mensch und die Natur miteinander verbunden sind und dass die Menschen in Guyana kein nachhaltiges Leben ohne den Regenwald als Lieferanten von Lebensmitteln und anderweitigen Materialien führen können. Deshalb hat das IIC ein spezielles Programm für eine nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, das dazu beiträgt, die Natur schon mit einem geringen Budget zu bewirtschaften und gleichzeitig zu schützen, indem die Menschen rund 20 Arten in einem 60-jährigen Schnittzyklus selektiv ernten können.

18 % der Treibhausgasemissionen entstehen durch Entwaldungsprozesse, die weltweit stattfinden. Während tropische Wälder nur 7% der Erdoberfläche einnehmen, fangen und speichern sie auf natürliche Weise – und ohne Kosten – schätzungsweise 1,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, was mehr als dem Siebenfachen der jährlichen Emissionen des Vereinigten Königreichs entspricht (allein Iwokrama fängt jährlich 1,3 Millionen Tonnen CO2 ein). Die Wälder Guyanas sind also nicht nur für die Ernährung und "deren" Wohlbefinden verantwortlich, sondern auch für unser aller Sauerstoff.

Das Interessante an den Mitgliedern des Iwokrama International Research Centre ist nicht nur, dass sie sich aktiv mit der Natur und den sozialen Aktivitäten und der Wirtschaft beschäftigen, sondern auch, dass sie erstaunliche Chancen für die wissenschaftliche Entwicklung bieten. Mit ihren lokalen und internationalen Kooperationsprogrammen haben Wissenschaftler die Möglichkeit, eine Echtzeit-Forschung vor Ort in den Wäldern durchzuführen und werden dabei von den Mitarbeitern des IIC unterstützt. Das Zentrum bietet zahlreiche Workshops, Feldkurse, Besuche für akademische Einrichtungen sowie Praktika und Freiwilligeneinsätze. Iwokrama ist auch ideal für Personen oder Gruppen, die sich für Kunst, Fotografie, Kultur und verwandte Bereiche interessieren. Jedes Jahr werden Aktivitäten speziell für Kinder und Studenten organisiert, die über die erstaunliche Artenvielfalt in ihrem Land lernen, und dass die Natur ein Zuhause ist, das geliebt, bewahrt und respektiert werden sollte.

Alle diese positiven Aspekte haben Reflektionen auf den Tourismus des Landes zur Folge. Das so wenig bekannte Land Guyana beginnt Menschen aus aller Welt zu begeistern, eine bescheidene Lebensweise durch ständige Verbindung zur Natur zu erleben und nie gesehene Pflanzen und Tiere wie den Goldenen Raketenfrosch oder gewaltige Seerosen zu entdecken. Der vorbenannte Frosch ist endemisch in Guyana und sehr klein: knapp 20 mm. Die Seerosenart wurde vor 180 Jahren vom deutschen Botaniker Eduard Friedrich Poeppig entdeckt, der damals im Dienste der britischen Königin Victoria stand, und deshalb nannte er seine Entdeckung zu ihren Ehren: victoria amazonica. Diese Art hat sehr große Blätter von bis zu 3 m Durchmesser, die auf der Wasseroberfläche schwimmen und ein Gewicht von bis zu 50 kg tragen können.

Dies sind nur einige der zahlreichen Kuriositäten, die Guyana und das IIC zu bieten haben: vom Spaziergang durch die bunten Straßen von Georgetown, Schwimmen an der wunderschönen Küste, Stromern in den riesigen Savannen und Wandern im Regenwald Iwokrama bis hin zum Kennenlernen der interessanten Kultur der Guyaner, ihrer Traditionen und Muttersprachen, ihrer mit Liebe zubereiteten Speisen, ... – Guyana ist ein verstecktes Paradies, das bloß darauf wartet, entdeckt zu werden.